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24.02.2016

Ehrenbürger Dipl. Ing. Leo Prüller verstorben


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Am 21. Februar ist unser sehr geschätzter Ehrenbürger Prof. Leo Prüller verstorben.


Das Begräbnis mit anschließendem Requiem findet am Mittwoch, 2. März statt. Seelenmessen werden in Wien IV. St.Elisabeth am 7. März um 18.00 und in St.Pölten im Bildungshaus St.Hippolyt  am 8. März um 18.00 gefeiert.


Biographie – DI. Prof. Leo Prüller


Leo Prüller (1928-2016)


Leo Prüller wurde als 13. und  jüngstes Kind einer Bauernfamilie in Reinsberg im niederösterreichischen Mostviertel am 5. November 1928 geboren. Im 2. Weltkrieg zunächst als 15jähriger als Flakhelfer in Linz eingesetzt, wurde er vor dem Militärdienst in der deutschen Armee bewahrt, weil ein heroischer Beamter im Wehrkreisergänzungskommando die Akten seines Jahrgangs hatte verschwinden lassen. Dass er 1945 Augenzeuge wurde, als die SS nahe des elterlichen Bauernhofes KZ-Häftlinge auf dem Gewaltmarsch nach Westen erschoss, gehörte zu den prägenden Einflüssen seines Lebens.


Nach der Matura in Amstetten studierte Leo Prüller Landwirtschaft auf der Universität für Bodenkultur in Wien. Dort zeigte sich bereits seine Freude daran, Verantwortung in Kirche und Welt zu übernehmen. 1950 wurde er Vorsitzender der Katholischen Hochschuljugend Österreichs – viele weitere mit Engagement und Verantwortungsbewusstsein ausgeübte Funktionen sollten folgen.


Seine Berufslaufbahn im Dienst der Kirche begann Dipl.Ing. Leo Prüller 1952 als Zentralsekretär der Katholischen Landjugend Österreichs. 1953 wurde er Bundessekretär der Katholischen Jugend/Burschen, drei Jahre später Generalsekretär der Katholischen Aktion Österreichs. Nach einem Jahr als Sekretär des Niederösterreichischen Bauernbundes wurde Leo Prüller von Bischof Michael Memelauer 1961 zum Direktor des neu errichteten Bildungshauses St.Hippolyt der Diözese St.Pölten ernannt, das für 27 Jahre die Basis seines reichen Wirkens wurde. Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen nach dem Engagement für die katholische Jugend vor allem die Familien und die Menschen im ländlichen Raum.


So war Leo Prüller ehrenamtlich Mitbegründer und erster Vorsitzender des Österreichischen Bundesjugendrings (1953-56), Präsident der Internationalen Vereinigung der katholischen ländlichen Organisationen (1987-95) und Präsident der Katholischen Aktion Österreichs (1988-91). Er war Mitarbeiter in vielen Gremien der katholischen Kirche, aber auch in vielfältiger Weise im katholischen Leben seiner Wohnorte engagiert: als Jugendführer in seiner Heimatpfarre Reinsberg, als Pfarrgemeinderat seiner langjährigen Wohnpfarre am Dom in St.Pölten, als Leiter der Seniorenpastoral der Diözese St.Pölten, im Arbeitskreis „Trauer- und Sterbebegleitung“, als Lektor und Kommunionhelfer, als langjähriger Referent in Ehekursen und bei vielen anderen Anlässen.


In seinem Ruhestand konnte er neben Seniorenarbeit und dem Einsatz für seine Familie – fünf Kinder, acht Enkeln und ein Urenkelkind – seiner Leidenschaft für die Lokalhistorie Raum geben. Zu seinen Forschungsgebieten gehörten vor allem die Geschichte der Höfe und Häuser seiner Heimat, Leben und Wirken der hochmittelalterlichen Grundherrin Adelheid von Reinsberg und die Geschichte der protestantischen Exulanten des Mostviertels. Das Bewusstsein, dass jeder Mensch in seinem konkreten Leben Resultat, Träger und Gestalter der Geschichte ist, war Ausdruck seiner hohen Achtung vor der Würde jedes Menschen, die auch sein Engagement in der Erwachsenenbildung, in der Ehe- und Familienarbeit und sein Familienleben geprägt hat.


Er starb friedlich und gut vorbereitet im 88. Lebensjahr am Sonntag, dem 21. Februar 2016 im Kreis seiner Kinder und Schwiegerkinder. Den Tod seiner Frau und seiner Tochter 2012 und den schleichenden Verlust seiner Ausdrucksfähigkeit und geistigen Klarheit hat er in großer Duldsamkeit bewältigt und bis zu seinem Tod allen Menschen Güte und Zuwendung entgegengebracht.


Leo Prüller wurde 1980 mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet und war unter anderem Träger des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (1973), des Komturkreuzes des päpstlichen Silvesterordens (verliehen 1978 von Johannes Paul I. in dessen nur 33 Tage dauernder Amtszeit) und des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Niederösterreich. Ganz besonders gefreut hatte ihn die Verleihung der Ehrenbürgerschaft seines Geburtsortes Reinsberg (1991) und der niederösterreichischen Gemeinde Wang (2003), in der er mit seiner geliebten Frau Theresia seinen höchst aktiven Ruhestand verbrachte. 


Text: Dr. Michael Prüller, Leitung des Medienhauses der Erzdiözese Wien, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Chefredakteur Der SONNTAG , Medienhaus der Erzdiözese Wien, Stephansplatz 4/IV/DG, 1010 Wien